Sunday, December 17, 2017

The Winter Men

Krudes, gebrochenes Englisch knurren Helden in The Winter Men, nüchtern bekuckt grober Unfug: Russe in Russland ist Protagonist Kris Kalenov. Warum Schreiber Brett Lewis den Kosmonaut aus Armageddon als Sprechkontext für korrodierte Supermänner weckt, weiß der Kuckuck, doch triftigen Grund zu kantigem Akzent hatte der wenigstens. Der Kunstknick kann nur missglücken, tut aber nicht: viel Text in The Winter Men, nie zu viel, ausgerechnet hoch stilisierte Dialoge machen Eindruck mit schroffem Rhythmus, skurrilen Sprüchen, bankrotter Syntax.

Lewis, kein effekthaschender Stümper, sondern cleverer Rakonteur, kennt Mittel, den Charakter krummer Helden und ihrer Welt zwischen altem Nationalstolz, post-kommunistischem Kapitalismus und krasser Korruption zu bekunden. Lange Stunden und Seiten quatschen Rorschach-Cousin Kalenov und Kumpel Nikki im gedrängten Moskauer McDonald’s Kokolores, kauen Frikadellen, qualmen, spielen Schach, klauen den Tisch, denn die Plakette darauf ist lustig: „Keiner allein ist größer als alle zusammen.“

Akteure und Kulissen von Lewis und Zeichner John Paul Leon—wirkt hier virtuoser, ausdrucksstärker, selbstbewusster als zuvor—sind so greifbar, dass Handlung—Mord, Komplott, Kollaps; Watchmen auf Russisch, in Chaotisch—Beiwerk wird. Pate standen Miller, Chaykin, Brubaker. „Njiderr mit Coka Cola!“, kreischt Nikki, killt Automat mit Kalaschnikow kaputt.

The Winter Men 1 bis 5 und The Winter Men Winter Special 1 (englisch), veröffentlicht 2005 bis 2009 von DC Comics/WildStorm.

Eine Version dieses Texts erschien 2010 im Comicgate-Magazin 5.